Von Yaoundé nach Brazzaville

Möchte man von Kameruns Hauptstadt Yaoundé auf dem Landweg nach Brazzaville und Kinshasa gelangen, gibt es nicht sehr viele Alternativen. Die meisten Reisenden fahren durch den Gabun, aber es gibt es noch eine direkte Verbindung durch die Republik Kongo.

Von Yaoundé nach Brazzaville

Diese Strecke ist allerdings nicht leicht und auch nicht zu jeder Jahreszeit machbar, zumindest noch nicht, denn chinesische Baufirmen bauen an vielen Stellen im Kongo das Straßennetz aus, um schneller in die Tiefen des Regenwaldes zu gelangen. Somit bleibt dieses ursprüngliche Abenteuer nur noch zeitlich begrenzt machbar. Wir sind die Strecke gefahren und fassen die Erlebnisse hier zusammen.

Los geht’s in Yaoundé auf der Nationalstraße N2 Richtung Süden. Es handelt sich um eine sehr gut ausgebaute Asphaltstraße, die durch die Vororte Yaoundés führt. Nach gut 55 Kilometern erreichen wir den Abzweiger zur N9, die direkt zur Grenze der Republik Kongo führt. Auf der N2 folgt man der Straße in Richtung Gabun. Die N9 ist weiterhin in sehr gutem Zustand und man kommt recht schnell voran. Nach 120 Kilometern erreicht man die letzte größere Stadt im Südosten Kameruns, Sangmélima. Hier sollte auf jeden Fall noch mal voll getankt und die Vorräte aufgefüllt werden. Direkt hinter Sangmélima verlassen wir die Asphaltstraße und fahren auf einer 300 Kilometer langen Piste bis zur Grenze zur Republik Kongo. Größtenteils lässt sich die Piste gut fahren.

Grenzort in KamerunDer kleine Grenzort [GPS 2.17791;13.704901] bietet nicht viel Infrastruktur. Es gibt einen kleinen Supermarkt, man kann im Notfall Diesel aus Kanistern kaufen und eine kleine und sehr einfache Übernachtungsmöglichkeit gibt es auch. Dieses wird insbesondere interessant, wenn man bedenkt, dass die Grenze mit Anbruch der Dunkelheit gegen 17.30 Uhr schließt. Die 475 Kilometer von Yaoundé bis in den Grenzort sind kein großes Problem, der schwierigste Teil der Strecke folgt noch.

Der Grenzübertritt ist völlig unproblematisch, wir reisen aus Kamerun aus und in die Republik Kongo ein, auch wenn sich die Grenzer hier viel Zeit lassen, schließlich kommen hier nicht viele Reisende aus Europa vorbei. Das nächste Ziel heisst Sembé, die erste größere Stadt in der Republik Kongo, gut 140 Kilometer von der Grenze entfernt, aber doch sehr weit weg, denn die Straßenverhältnisse werden immer schlechter. Die Piste wird immer schmaler, Einspurig ist sie, aber mit Gegenverkehr ist hier kaum zu rechnen. Es wird auf jeden Fall ein vollwertiger Geländewagen mit hoher Bodenfreiheit benötigt, um das Gelände zu durchqueren. LKWs haben tiefe Spurrinnen gezogen. Bei Regenfälle ist diese Strecke nicht passierbar. Immer wieder gibt es tiefe Schlammlöcher, die teilweise komplett umfahren werden müssen.

Für die 140 Kilometer nach Sembé [GPS 1.649549;14.573092] benötigen wir zwei Tage, man kann es an einem Tag schaffen, aber auch 3 oder 4 Tage sind möglich, je nach Witterungsverhältnissen. In Sembé gibt es auch wieder sehr einfache Hotels und einen Supermarkt. Diesel können wir hier aber nicht kaufen. Hinter Sembé wird der kleine Waldweg auch nicht besser, immer wieder gibt es Herausforderungen für die Fahrer. Unsere nächste Zwischenstation soll Ouesso sein, gut 200 Kilometer von Sembé entfernt. Ungefähr 50 Kilometer hinter Sembé wird die Straße breiter und man kommt besser voran. Bis hier haben sich die chinesische Planierraupen bereits vorgekämpft und eine Schneise in den Regenwald geschlagen. Gut 25 Kilometer vor Ouesso trifft die Straße auf die N2 (GPS 1.486987;15.900793], die von Ouesso nach Brazzaville führt. Ouesso [GPS 1.61077;16.049981] ist eine richtige Stadt mit asphaltierten Straßen, Hotels, Geschäften und einem Hafen. Hier ist auch der Sitz der Zentralbank für die Zentralafrikanische Währungsunion.

Von Ouesso nach Brazzaville sind es gut 850 Kilometer, die an zwei Tagen absolviert werden können. Auf einer Piste geht es von Ouesso Richtung Süden auf der N2. Hier wird schon eifrig gebaut. Fertig gestellt Abschnitte und Baustellenumleitungen wechseln sich ab. Die Streckenführung kann sich hier täglich ändern.

Über Holzbrücke geht es weiterNach 200 Kilometern kommt man an den Fluss Mambili, der nur mit einer Fähre [GPS 0.362744;15.447965] überquert werden kann. Der Listenpreis beträgt 50.000 CFA (ca. 75 Euro) pro Fahrzeug. Der Fährdienst findet nur bei Tageslicht statt. Eine Umfahrung ist nicht möglich, es gibt keine alternative Strecke. Die Überfahrt dauert auch nur 3 Minuten, aber auf der anderen Seite wartet ein schmaler Weg durch ein Moorgebiet. Höhepunkt sind dabei 12 kleine Holzbrücken, die alle ca. 8-12 Meter lang sind und meistens nur 2-2,50 Meter breit. Der bauliche zustand ist bei unserer Fahrt sehr schlecht. Die ersten 6 Brücken lassen sich allerdings in Schrittgeschwindigkeit ohne große Probleme überfahren. Die folgenden Brücken müssen wir dann mit Brettern und Balken verstärken. Das Holz ist morsch, Fahrzeuge sind wohl teilweise schon eingebrochen, Balken sind kaputt. Hier besteht ein hohes Sicherheitsrisiko.

Die nächsten 55 Kilometer bis zur Stadt Makoua sind relatativ unproblematisch. In Makoua überqueren wir unspektakulär den Äquator. Hier gibt es wieder einige einfache Hotels, eine Tankstelle und Supermärkte. Von Makoua sind es noch 70 Kilometer bis nach Owando, hier beginnt die Aspahltstraße, die in sehr unterschieldichen Zustand ist. Hier gibt es teilweise Abschnitte die sind ganz neu, teilweise ist der Asphalt so schlecht und die Schlaglöcher so tief, dass man nur im Schritttempo vorankommt. Die 520 Kilometer nach Brazzaville sind dennoch an einem Tag möglich. In der Hauptstadt der Republik Kongo ist man zurück in der Zivilisation und kann auf eine gute Infrastruktur zählen.

Wir haben die Strecke von Yaoundé nach Brazzaville in 6 Tagen geschafft, viel schneller ist das kaum möglich. Bei schlechten Witterungsverhältnissen kann sich die Fahrtzeit erheblich verlängern. Die beschriebenen Erlebnisse beziehen sich auf den Reisezeitpunkt im Mai 2010. Aufgrund der massiven Bauarbeiten ändert sich die Strecke fast täglich. In einigen Jahren wird wahrscheinlich diese Durchquerung mit jedem Straßenfahrzeug möglich sein. Wer ein unvergessliches Abenteuer erleben will, der sollte zeitnah diese Strecke fahren. Für die Strapazen wird man mit einer wundervollen Natur, tollen Menschen und unglaubliches Erlebnisse belohnt.

Zusammenfassung:

1. Tag:
Yaoundé – Sangmélima – Grenze Rep. Kongo 475 km

2. Tag:
Grenze – Dschungelübernachtung 110 km

3. Tag:
Dschungel – Sembé 30 km

4. Tag:
Sembé – Ouesso 200 km

5. Tag:
Ouesso – Makoua 255 km

6. Tag:
Makoua – Brazzaville 590 km

Gesamtstrecke 1.660 Kilometer

GPS-Streckenkarte Kamerun und Republik Kongo:

Video vom Streckenabschnitt durch den Kongo: